What is the aim of our initiative 'anthroposophicum'?

1920-2020 Historical Symptomatology 

: 100 years after the Treaty of Versailles. 100 years after the opening of the First Goetheanum. 

Shortly before 1920, Rudolf Steiner's impulse for a social threefolding had not been taken up. Rudolf Steiner opened the First Goetheanum in 1920 with a series of lectures that focused on three areas: Religion, Art and Science. In reaction to the catastrophe of the First World War, the former esoteric ritual work was transformed into First Class meditations.
 
September 26th is the 100th anniversary of the opening of the First Goetheanum. In the year 2020, with the coronavirus crisis, history presents us with a new great challenge for society, for our economy; and all this within a culture that is facing materialistic challenges as never before. Of course we may feel the urge to resist or contribute to changes in politics, economics and culture; but how can we do so if we want to remain faithful to a spiritual challenge?

Rudolf Steiner said after the catastrophe of the fire at the First Goetheanum that this was a consequence of the "sleepiness" of the anthroposophists. Similarly, leaders around the outbreak of World War I apparently "sleepwalked" into the catastrophe without being aware of the spiritual realities surrounding them.


This theme of "drowsiness" or " sleepiness" is part of a broader and deeper theme which has been raised in recent years in the anthroposophical world in a broad spectrum: the question of a return to esoteric work. 


It may be well remembered that Sergei Prokoffiev and Peter Selg called for a need for an esoteric deepening of First Class esoteric work. Even if one looks at the most recent publication "Steiner Studies", 2020, one can see similar demands for a more conscious and intensive engagement with questions of spiritual research and questions of the path of knowledge. The subject has recently been taken up further in Judith von Halle's work. It is a theme that connects.

The esoteric in our society must be seen in the light of the culture and the world we live in. The twentieth century saw dramatic changes in culture and society after the Second World War. The media changed, art changed, and our psychology changed. In fact, we all grew up in a world radically different from the world of the 1920s: before the devastation and catastrophes that followed. A world was built on ruins. A new world with ideologies, and new media had been added.
 
Should humanity continue to sleep through new disasters and challenges? The answer is undoubtedly and unfortunately yes. But, as always, history is led and changed by an avant-garde. As Rudolf Steiner has so often said, the important attitude to bring to esoteric work is first and foremost respect for the spiritual world. 

This is to be our starting point to return to some of Rudolf Steiner's first-class teachings. With regard to art, we will see what two special stories can tell us about such a process of spiritual awakening. One is familiar to all: the fairy tale of Sleeping Beauty, but with a story that takes us back to the Arthurian era. The other is a wonderful alchemical mystery play by William Shakespeare "Pericles Prince of Tyre". Both stories will lead us deeper into the themes of the spiritual path, which we will complement with meditations from the First Class. 
 
Anthroposophicum is an ambitious undertaking, but we hope to work together with others who feel the same drive and need to engage in such esoteric work in this challenging but hopefully bright future that is dawning around us. In this sense, it is a task of religious renewal with which we are bringing together art and humanities on Michaelmas 2020. We look forward to meeting people who wish to join us.


Zweck und Motiv der Initiative 'anthroposophicum.'

Kurz vor 1920 war der Impuls Rudolf Steiners zur sozialen Dreigliederung nicht aufgegriffen worden. Rudolf Steiner eröffnet 1920 das erste Goetheanum mit einer Vortragsreihe, die sich auf drei Bereiche konzentrierte: Religion, Kunst und Naturwissenschaft. Als Reaktion auf die Katastrophe des Ersten Weltkrieges wurde die einstige esoterische Ritualarbeit in die Meditationen der Ersten Klasse umgewandelt.

 
Der 26. September ist der  100. Jahrestag der Eröffnung des Ersten Goetheanum. Im Jahr 2020, mit der Coronavirus-Krise, stellt uns die Geschichte vor eine neue grosse Herausforderung für die Gesellschaft, für unsere Wirtschaft; und dies alles innerhalb einer Kultur, die sich wie nie zuvor materialistischen Herausforderungen stellt. Natürlich können wir den Drang verspüren, den Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Kultur zu widerstehen oder zu ihnen beizutragen; aber wie sollen wir das tun, wenn wir einer spirituellen Herausforderung treu bleiben wollen?

Rudolf Steiner sagte nach der Katastrophe des Brandes des Ersten Goetheanum, dies sei eine Folge der "Schläfrigkeit" der Anthroposophen gewesen. In ähnlicher Weise "schlafwandelten" führende Persönlichkeiten um den Ausbruch des Ersten Weltkrieges scheinbar in die Katastrophe hinein, ohne sich der sie umgebenden spirituellen Realitäten bewusst zu sein.

Dieses Thema der "Schläfrigkeit" ist Teil eines breiteren und tieferen Themas, das in den letzten Jahren auch in der anthroposophischen Welt in einem breiten Spektrum aufgeworfen wurde: die Frage nach einer Rückkehr zur esoterischen Arbeit

Man erinnert sich gut an die Forderung von Sergej Prokoffjew und Peter Selg nach einer Notwendigkeit einer esoterischen Vertiefung der esoterischen Arbeit der Ersten Klasse. Selbst wenn man sich die jüngste Publikation "Steiner Studies" ansieht, kann man ähnliche Forderungen nach einer bewussteren und intensiveren Beschäftigung mit Fragen der spirituellen Forschung und Fragen des Erkenntnisweges feststellen. Das Thema wurde in jüngster Zeit in Judith von Halles Arbeit über die Falter-Meditation weiter aufgegriffen. Es ist ein Thema, das verbindet.

Das Esoterische in unserer Gesellschaft muss im Licht der Kultur und der Welt gesehen werden, in der wir leben. Das zwanzigste Jahrhundert sah dramatische Veränderungen in der Kultur und Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Medien veränderten sich, die Kunst veränderte sich, und unsere Psychologie veränderte sich. In der Tat sind wir alle in einer Welt aufgewachsen, die sich radikal von der Welt der 1920er Jahre unterscheidet: vor den Verwüstungen und Katastrophen, die folgten. Eine Welt wurde auf Ruinen aufgebaut. Eine neue Welt mit Ideologien, und neue Medien war dazu gekommen.

 
Soll die Menschheit weiterhin neue Katastrophen und Herausforderungen verschlafen? Die Antwort lautet zweifellos und leider ja. Aber wie immer wird die Geschichte von einer Avantgarde geführt und verändert. Wie Rudolf Steiner so oft gesagt hat, ist die wichtige Haltung, die man in die esoterische Arbeit einbringen muss, in erster Linie die Ehrfurcht vor der geistigen Welt. 

Dies soll unser Ausgangspunkt sein, um wieder an einige der erstklassigen Vermittlungen Rudolf Steiners anzuknüpfen. In Bezug auf die Kunst werden wir sehen, was uns zwei besondere Geschichten über einen solchen Prozess des spirituellen Erwachens erzählen können. Die eine ist allen bekannt: das Märchen vom Dornröschen, allerdings mit einer Geschichte, die uns in die Artuszeit zurückführt. Die andere ist ein wunderbares alchemistisches Mysterienspiel von William Shakespeare "Perikles Prinz von Tyrus". Beide Geschichten werden uns tiefer in die Themen des spirituellen Weges führen, den wir mit Meditationen aus der Ersten Klasse ergänzen wollen. 
 
Anthroposophicum ist ein ehrgeiziges Unterfangen, aber wir hoffen, dabei mit anderen zusammenzuarbeiten, die denselben Antrieb verspüren und sich in dieser herausfordernden, aber hoffentlich hellen Zukunft, die um uns herum anbricht, auf eine solche esoterische Arbeit einlassen müssen. In diesem Sinne ist es eine Aufgabe der religiösen Erneuerung, mit der wir an Michaeli 2020 Kunst und Geisteswissenschaft zusammenbringen. Wir freuen uns darauf,  Menschen zu treffen, die sich uns anschließen möchten.


anthroposophicum

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